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                     Der Vogelsberg - das größte Vulkanmassiv in Europa

Der Vulkan Vogelsberg stellt sich heute als lieblich-verträumte und zur Erholung einladende Landschaft dar, die mit einer Fläche von rund 2500 Quadratkilometern das größte geschlossene Vulkanmassiv auf dem europäischen Festland darstellt.  Doch nicht immer war es hier so ruhig – schließlich hat der Vogelsberg eine feurige Vergangenheit.

Die Förderung der vulkanischen Gesteine begann im Vogelsberg vor etwa 19 Mio. Jahren und erreichte vor ungefähr 17 bis 14 Mio. Jahren ihren Höhepunkt. Vor etwa 10 bis 9 Millionen Jahren endete diese Phase. Durch eine Vielzahl an Spaltenergüssen und einzelnen Eruptionen war in mehreren, zeitlich versetzten Schüben der Vogelsberg entstanden. Zwar wirkt der Vogelsberg heute wie ein großer Zentralvulkan, doch das ist er nicht. Tatsächlich stellt er sich als Region dar, die von vielen unterschiedlichen Ausbruchsstellen geprägt ist. Und die Region ist größer als man denkt: die markanten Basalthöhen der Amöneburg, des Friedberger Burgberges oder der Burgberge von Vetzberg und Gleiberg bei Gießen gehören ebenso zum Vulkan Vogelsberg wie die Basaltkegel von Stornfels, Herbstein, Ulrichstein oder dem Rehberg bei Schotten-Sichenhausen.

 

Der Vogelsberg baut sich überwiegend aus Basalten auf, doch auch Trachyt ist zu finden. Beides sind Ergussgesteine, die durch den Aufstieg von flüssiger Gesteinsschmelze (Magma) entstanden. Dieses Magma kann dicht unter der Oberfläche erkalten oder als Lava hervortreten und dann über der Erde erkalten.  Neben Basalt und Trachyt finden sich auch Auswurfprodukte des Vulkans, so genannte Pyroklastika. Diese kommen in Form von feinkörniger Asche, Lapilli (kleinen Steinchen), Tuffen oder Bomben (kugelige Brocken) vor.

Die Basaltschicht des Vogelsberg erreichte in der langen Phase, in der der Vulkanismus aktiv war, eine beachtliche Stärke. Im Jahr 1996 brachte eine Forschungsbohrung in der Nähe von Ulrichstein, die sich fast 700 Meter in den Untergrund bohrte,  eine Abfolge von zahlreichen unterschiedlichen Basalttypen zutage. Vor allem waren mächtige Trachyte und eine Vielzahl vulkanischer Auswurfprodukte wie Lapilli, Bomben und Aschentuffe vorhanden. Diese Bohrung erreichte nicht die vulkanische Gesteinsbasis und bewies damit, dass die Basaltschicht unter dem Oberwald mächtiger als die Bohrtiefe ist. Insgesamt gesehen ist der Vogelsberg durch eine bunt gemischte, scheinbar „ungeordnete“ Gesteinsabfolge geprägt, die von Ort zu Ort sehr unterschiedlich ist.

Als die Vulkantätigkeit im Vogelsberg zu Ende ging herrschte ein tropisch-heißes Klima, in dem u.a. Palmen wuchsen. Dadurch waren die vulkanischen Produkte einer extremen, tiefgründigen Verwitterung ausgesetzt. Die mineralischen Bestandteile der Gesteine wurden dabei chemisch umgewandelt: Es bildeten sich mächtige Verwitterungsdecken (Latosole) in Form von Roterden, auch Bauxite und Basalteisensteine entstanden: Bei dieser höchst intensiven chemischen Verwitterungsform wurde das Eisen aus den Basalten herausgelöst und konzentrierte sich in Form von Krusten. In den Bauxitknollen wurde auch das praktisch unlösliche Aluminium angereichert.  Auch tertiäre Braunkohlelager entstanden in dieser Zeit im Vogelsberg. Der Verwitterungsprozeß endete, als vor 1,8 Millionen Jahren das Zeitalter der Eiszeit begann. Wasser, Eis und Wind sorgten nun dafür, das das radialstrahlige Talnetz entstand und die Verwitterungsprodukte abgetragen wurden, wobei sich Flussterrassen bildeten. Auch die für den Vogelsberg so typischen Blockmeere entstanden in dieser Zeit.

Die von der Eiszeit geprägten Landschaftsformen haben sich bis heute kaum verändert. Ausgedehnte Wälder beherrschen heute die Höhenlagen des Vogelsberges, während die tieferen Regionen von Heckenlandschaften und intensiver landwirtschaftlicher Nutzung geprägt werden. Besonders der Wasserreichtum macht den Vogelsberg heute interessant, denn die in Richtung Rhein und Weser abfließenden Bäche werden von einem riesigen Wasserreservoir gespeist. Das qualitativ sehr hochwertige Wasser aus den Tiefen des Vulkans wird vor allem in den Großraum Frankfurt geliefert.  Doch nicht nur das Wasser ist ein begehrter Stoff aus dem Vogelsberg, sondern auch der Basalt, der in großen Steinbrüchen abgebaut wird. Früher für den Bau von Gebäuden und die Herstellung von Pflastersteinen in Gebrauch wird heute vor allem Schotter für den Staßenbau produziert.  Dagegen wurde der Abbau von Eisenerz schon vor einigen Jahrzehnten eingestellt, zu gering war die Ausbeute und zu hoch der Aufwand zur Gewinnung des Rohstoffes.

 

              

       Basalt-Staub (Ortenberg)              Basalt-Säulen Mauer           Schalksbachteiche Herbstein             Kalkberg bei Lauterbach            Schlossberg Ulrichstein

 

             

   Steinkopf in Münzenberg                  Sandsteinbruch in Büdingen                   Nieder-Ofleiden                      Rabenau-Londorf                   Hungen-Langd

       

Bilstein bei Schotten-Busenborn           Reichsburg Glauberg                   Hoherodskopf-Gipfel                 Steinbruch Bergheim                   Kaolingrube Ortenberg

  

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Stand: 24.11.10